Kloben


In der Uhrmacherei gibt es zwei Arten, Dinge im Werk zu befestigen – Brücken und Kloben. Eine Brücke ist an zwei Punkten befestigt (wie eine echte Brücke über einen Fluss), ein Kloben hingegen nur an einem. Er ragt also frei schwebend über das Bauteil, das er halten soll. Das wirkt optisch oft leichter und eleganter, erfordert aber eine extrem stabile Verschraubung am „Ufer“, damit nichts wackelt.

Ein Kloben ist also die mutige Variante der Befestigung. Er ist quasi das Sprungbrett für Zahnräder und Unruhen. Während Brücken oft ganze Gruppen von Rädern unter sich begraben (wie die berühmte Glashütter Dreiviertelplatte), ist der Kloben ein Individualist. Er kümmert sich meist nur um ein einziges Teil. Das macht das Werk für uns Betrachter übersichtlicher – man kann förmlich sehen, wie die Kraft von einem Rad zum nächsten fließt, ohne dass ein riesiges Metallstück die Sicht versperrt.

Humoristisch gesehen könnte man sagen: Die Brücke ist der konservative Beamte, der alles mit zwei Händen festhält, damit ja nichts passiert. Der Kloben hingegen ist der Artist am Trapez, der sich mit einer Hand lässig am Gehäuse festhält und mit der anderen die Zeit jongliert. Er gibt dem Uhrwerk Tiefe und Dreidimensionalität. Wenn du ein Werk mit vielen einzelnen Kloben siehst, hast du es meist mit einer sehr hochwertigen Konstruktion zu tun, da die Montage und Justierung jedes einzelnen Klobens deutlich aufwendiger ist als bei einer großen Einheitsbrücke.

In der Ästhetik der „Haute Horlogerie“ werden die Kanten dieser Kloben oft „angliert“ – das heißt, sie werden von Hand abgeschrägt und auf Hochglanz poliert. Wenn dann das Licht in den Saphirglasboden fällt, blitzen diese polierten Kanten wie kleine Diamanten auf. Es ist diese Liebe zum Detail, die den Kloben vom simplen Ersatzteil zum Kultobjekt befördert.

Also, wenn du das nächste Mal mit deinen Uhren-Kumpels beim Bier sitzt, wirf einfach mal das Wort „handgravierter Unruhkloben mit Schwanenhals-Feinregulierung“ in den Raum. Die anerkennenden Blicke sind dir sicher, während alle anderen noch versuchen, den Unterschied zwischen einem Kolben und einem Kloben zu googeln. Du weißt es jetzt besser: Der Kolben bleibt in der Garage, der Kloben glänzt am Arm!